Arzneimittel

Der Nachweis von Arzneimitteln und deren Metabolite in der Umwelt ist Anlass zur Besorgnis und international ein Schwerpunkt der aktuellen Umweltforschung (u.a. Halling-Sørensen 1998, Dietrich et al. 2004, Aga 2007, Kümmerer 2008). Das deutsche Arzneimittelgesetz (§ 22) fordert, im Rahmen der Zulassung "Unterlagen vorzulegen, mit denen eine Bewertung möglicher Umweltrisiken vorgenommen wird". Für neue Arzneimittel bewertet das Umweltbundesamt (Fachbereich IV Chemikaliensicherheit) im Rahmen von Zulassungsanträgen mögliche Umweltrisiken. Leitfäden zur Risikobeurteilung wurden von der Europäische Arzneimittel-Agentur (European Medicines Agency, EMA) erarbeitet. Hierbei wird zwischen Öffnet internen Link im aktuellen FensterHumanarzneimitteln und Öffnet internen Link im aktuellen FensterTierarzneimitteln unterschieden.

Humanarzneimittel

Die Richtlinie 2001/83/EG des Europäischen Parlaments und des Rates zur Schaffung eines Gemeinschaftskodexes für Humanarzneimittel fordert im Rahmen des Zulassungsantrags gegebenenfalls eine Beurteilung möglicher Umweltgefährdungen durch die Verwendung und/oder Beseitigung des Arzneimittels aufzunehmen.

Die Europäische Arzneimittelagentur EMA (European Medicines Agency) hat über das „Committee for Medicinal Products for Human Use“ (CHMP) einen Leitfaden zu ökotoxikologischen Teststrategien und der Umweltrisikoprüfung veröffentlicht:

Guideline on the environmental risk assessment of medicinal products for human use (June 2006). Zur Interpretation des CHMH-Leitfaden gibt es einen Hintergrundleitfaden: Questions and answers on 'Guideline on the environmental risk assessment of medicinal products for human use (June 2010).

Der aktuelle Stand ist über die Webseite der Europäischen Arzneimittelagentur zu recherchieren (Öffnet externen Link in neuem FensterHuman medicines - non-clinical general guidelines).

Der CHMH-Leitfaden zur Umweltrisikoprüfung von Humanarzneimitteln sieht mehrere  Bewertungsphasen vor: In Phase I wird die Umweltexposition der Wirkstoffe und/oder deren Metabolite abgeschätzt. Eine vorhergesagte Konzentration in der Umwelt über 0,01 Mikrogramm pro Liter gilt als Kriterium für das  Einleiten der Phase II (Risikoprüfung). Diese ist wiederum in zwei Stufen untergliedert, in denen neben verschiedenen Daten zur Abbaubarkeit und chemisch-physikalischen Eigenschaften folgende Ökotoxizitätstests gefordert sind:

Phase I Tier A

(aquatische Ökotoxizität)

OECD 301 Leichte biologische Abbaubarkeit  
OECD 201 Algen-Wachstumshemmtest
OECD 211 Daphnien-Reproduktions-Toxizitätstest
OECD 210 Fisch, Early Life Stage Test (FELS)
OECD 209 Belebtschlamm-Atmungshemmtest  

Phase I Tier B

(terrestrische Toxizität)

OECD 208 Pflanzentoxizität
OECD 207 Akute Regenwurmtoxizität
ISO 11267 Collembolen-Reproduktionstoxizitätstest
OECD 216 N-Umsatz bei Bodenorganismen

Es sei darauf hingewiesen, dass der Fokus der Prüfungen auf der Bestimmung chronischer Effekte liegt. Die Hydrotox GmbH bietet alle genannten aquatischen Ökotoxizitätstests an.

Tierarzneimittel

Ähnlich wie für Humanarzneimittel hat die Europäische Arzneimittelagentur EMEA (European Medicines Agency) über das "Committee for Medicinal Products for Veterinary Use" (CVMP) drei Leitfäden zu Ökotoxikologischen Teststrategien und der Umweltrisikoprüfung veröffentlicht:

Environmental Impact Assessment for Veterinary Medicinal Products Phase I (final 2000)

Environmental Impact Assessment for Veterinary Medicinal Products Phase II Guidance (final 2005)

Revised Guideline on Environmental Impact Assessment for Veterinary Medicinal Products in support of the VICH guidelines GL6 (Phase I) and GL38 (Phase II) (final November 2008)

Der CVMH-Leitfaden zur Umweltrisikoprüfung von Veterinärpharmaka sieht mehrere  Bewertungsphasen vor: In Phase I wird die Umweltexposition der Wirkstoffe und/oder deren Metabolite abgeschätzt und anhand eines Entscheidungsbaumes das weitere Vorgehen festgelegt. In Phase II Stufe A wird die akute aquatische und terrestrische Ökotoxizität, in Phase II Stufe B die chronische Ökotoxizität bestimmt.

Der aktuelle Stand ist über die Webseite der Europäischen Arzneimittelagentur zu recherchieren (Öffnet externen Link in neuem FensterVeterinary medicines safety and residues).

Die Hydrotox GmbH bietet alle akuten und chronischen aquatischen Ökotoxizitätstests mit Algen, Daphnien und Fischen an.


Quellenangaben:

  • Aga, D. S. (2007). Fate of Pharmaceuticals in the Environment and in Water Treatment Systems. CRC Press, USA
  • Dietrich, D. R. et al. (2004). Hot Spot Pollutants: Pharmaceuticals in the Environment. Advances in Pharmacology, Elsevier Academic Press, USA
  • Halling-Sørensen B, Nors Nielsen S, Lanzky PF, Ingerslev F, Holten-Lützhoft HC, Jorgensen SE. 1998. Occurrence, fate and effects of pharmaceutical substances in the environment - a review. Chemosphere 36:357-393
  • Kümmerer K.(Third Edition) 2008. Pharmaceuticals in the Environment. Springer Verlag, Germany.