Wasserlinsentest (Lemna minor)

OECD 221, Verordnung (EG) Nr. 440/2008, C.26, ISO 20079, DIN EN ISO 20079

Lemna - Ansicht von oben
Lemna - Ansicht von oben
Abwasserprobe
Abwasserprobe
Abwasserprobe - Effekte
Abwasserprobe - Effekte

A) Einzelsubstanztestung

Prinzip

Die Wasserlinse Lemna minor dient als Modellorganismus für höhere Wasserpflanzen. Schädigende Effekte von Substanzen auf das Wachstum der Wasserlinse werden in diesem Test auf der Basis verschiedener Beobachtungsparameter (Frondzahl, Frondfläche, Chlorophyll, Trockenmasse) ermittelt.

Kurzbeschreibung

Im Test wird eine definierte Anzahl Lemna-Pflanzen über einen Zeitraum von 7 Tagen in verschiedenen Konzentrationen des zu untersuchenden Prüfgegenstandes inkubiert. Zur Bestimmung der Wachstumshemmung werden die Frondzahl, die Zahl der klar differenzierbaren Blättchen, und die Frondfläche zu Beginn und am Ende der Expositionszeit sowie zu zwei zusätzlichen Zeitpunkten mit einem bildauswertenden Computersystem erfasst. Die Wachstumsraten und die Biomasseintegrale ("Yield") für Frondzahl und Frondfläche werden über mindestens drei Zeitabschnitte und über die Gesamtzeit bestimmt. Zur Quantifizierung toxischer Effekte werden die Wachstumsraten und die Biomasseintegrale in den Testansätzen mit derjenigen des Kontrollansatzes verglichen und EC50-Werte sowie NOEC und LOEC berechnet.

Testsubstanzeigenschaften

Der Wasserlinsentest kann je nach Substanzeigenschaft als statischer Test mit einmaliger Zugabe der Prüfsubstanz für wasserlösliche stabile Testsubstanzen oder als semistatisches Verfahren mit täglicher Erneuerung der Testlösung für schwer wasserlösliche bzw. instabile Testsubstanzen durchgeführt werden. Insbesondere bei der Prüfung von stark gefärbten Testlösungen bietet der Wasserlinsentest klare Vorteile gegenüber dem Algentest (OECD 201), da hier das Problem der Lichtabsorption und dadurch resultierender Wachstumshemmung wie im Algentest entfällt.  

B) Abwasseruntersuchung

Für die Untersuchung von Abwasserproben bietet sich der Wasserlinsentest ebenfalls an, wenn es sich um stark gefärbte und/oder fluoreszierende Proben handelt. Die Testdurchführung entspricht der oben für Einzelsubstanzen beschriebenen. Geprüft werden Verdünnungstufen, wobei die höchste prüfbare Konzentration infolge der Zugabe von konzentrierter Nährlösung bei 90% liegt. Ein toxischer Effekt liegt vor, wenn die Wachstumshemmung von 10% gegenüber der Kontrolle bei Testende überschritten wird. Eine Wachstumshemmung von > 10% im Vergleich zur Kontrolle ist als signifikant definiert. Als Ergebnis wird die niedrigste Verdünnungsstufe ohne Wirkung (LID = Lowest Ineffective Dilution), in der also eine 10%-ige Hemmung nicht überschritten wird, als DW-Wert angegeben. Hierfür wird der jeweils empfindlichste Parameter (Frondzahl oder Frondfläche) herangezogen.