Gesundheitsrisiken durch Biozid-haltige Produkte und Gegenstände des "täglichen Bedarfs"

UBA, FKZ 204 61 218/05, 10/2004 - 10/2005

Auftraggeber:

Umweltbundesamt, Dessau, im Rahmen der Umsetzung des Aktionsprogramms „Umwelt und Gesundheit“, APUG (UBA FKZ 204 61 218/05)

Durchführung:

Fraunhofer Institute of Toxicology and Experimental Medicine (ITEM), Hannover,
Dr. Inge Mangelsdorf (project management), Dr. Stefan Hahn, Dr. Stephanie Melching-Kollmuß, Dr. Annette Bitsch

Hydrotox GmbH, Freiburg, Stefan Gartiser

FoBiG GmbH, Freiburg, Dr. Klaus Schneider, Jan Oltmanns, Dr. Martin Hassauer, Dr. Ulrike Schuhmacher-Wolz, Dr. Jens-Uwe Voss

Projektlaufzeit:

Oktober 2004 – Oktober 2005

Zusammenfassung:

Biozidhaltige Produkte und Gegenstände werden in vielen Bereichen eingesetzt. Um mögliche Gesundheitsrisiken zu bewerten, wurden in diesem Projekt Daten zu biozidhaltigen Produkten über eine Marktrecherche erhoben, Expositionen über ein Screening abgeschätzt und gefährliche Eigenschaften der Wirkstoffe recherchiert.

In einer „vor-Ort“ Recherche und über das Internet sowie in Datenbanken und Zusammenstellungen von Wirkstoffen wurden Informationen zu biozidhaltigen Produkten gesammelt. Daraus ergab sich, dass in Produkten des täglichen Bedarfs nur eine beschränkte Anzahl häufig vorkommender Wirkstoffe bzw. Gruppen von Wirkstoffen eingesetzt wird. Für eine eingehendere Betrachtung wurden 20 Wirkstoffe ausgewählt, deren Produkte anschließend aufgrund ihres Anwendungsspektrums kategorisiert wurden; Rahmenformulierungen wurden erstellt. Die potentiellen Expositionen wurden über einen „worst case“ Ansatz gemäß TGD abgeschätzt. Relevante Szenarien, Wirkstoffe und deren Kombinationen wurden herausgefiltert. Für drei Stoffe wurde jeweils ein relevantes Szenarium mit ConsExpo bzw. SprayExpo berechnet. Die toxikologischen Daten der Stoffe wurden in Stoffdossiers zusammengefasst. Neben den systemischen Wirkungen verdienen lokale Reizwirkungen sowie sensibilisierende Wirkungen besondere Aufmerksamkeit. Für die Risikoabschätzung wurden die MOEs ermittelt. Kritische inhalative oder dermale MOEs werden durch wenige Szenarien dominiert: Bekämpfung von Insekten mit Spray, Sticker oder Verdampfer, Sprühen von Desinfektionsmitteln, Reinigen von Flächen mit Konzentrat, Ausbringen von wasserbasierten Farben/Klebern oder Einsatz von Körperpflegeprodukten. Die additive Exposition liegt durchschnittlich einen Faktor 3 höher als die höchste Einzelexposition. Bei Kindern ist die additive Exposition um maximal den Faktor 10 höher als bei einem Erwachsenen.

Im Allgemeinen ist die potentielle inhalative Gesamtexposition geringer als die dermale. Eine genauere Betrachtung der Risiken durch Organophosphate in Innenräumen sowie Maßnahmen zu deren Minderung erscheinen angebracht. Des Weiteren ist eine detaillierte Bewertung der sensibilisierenden Wirkung insbesondere bei Konservierungsmitteln erforderlich.

Arbeitsteilung

Die Hydrotox GmbH erstellte im Rahmen einer Marktübersicht eine Abschätzung der Verbrauchsmengen biozidhaltiger Produkte des täglichen Bedarfs. Das Fraunhofer Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin erarbeitete eine Modellierung der Gesamtexposition einzelner biozider Wirkstoffe. FoBiG GmbH bewertete die sich hieraus ergebenden Gesundheitsrisiken.

Weitere Informationen

Die Ergebnisse wurden in mehreren deutsch- und englischsprachigen Zeitschriften zusammengefasst. Die ausführlichste Darstellung findet sich in
Hahn et al.: Consumer exposure to biocides - indentification of relevant sources and evaluation of possible health effects. Environmental Health 9.7 (2010).
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Der Abschlussbericht (217 Seiten + ca. 400 Seiten Dokumentation) soll auf der Öffnet externen Link in neuem FensterAPUG-Webseite veröffentlich werden.

Ansprechpartner

Dr. Stefan GartiserÖffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailGartiser@hydrotox.deTel: +49-(0)761-45512-24