Bewertung von Winter-Streumitteln: Expertise zur Überarbeitung der Umweltzeichen-Vergabegrundlage für „Salzfreie, abstumpfende Streumittel“

UBA, FKZ 200 95 308/04 und FKZ 202 95 382-7, Laufzeit 2002 - 2004

Auftraggeber:

Umweltbundesamt, Dessau (FKZ 200 95 308/04 und FKZ 202 95 382-7)

Durchführung:

Hydrotox GmbH, Stefan Gartiser (Projektleitung), Dr. Rudolf Reuther (beide Projekte)

Öko-Institut e.V., Carl-Otto Gensch (FKZ 200 95 308/04)

Projektlaufzeit:

2002 - 2004

Zusammenfassung FKZ 200 95 308/04

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie in Anlehnung an DIN EN ISO 14024 sollte überprüft werden, ob die Vergabe eines Umweltzeichens für ein Enteisungsmittel auf der Basis von Kaliumformiat im kommunalen Winterdienst aus ökologischen Gründen sinnvoll ist. Hierzu wurde ein ökologischer Vergleich innerhalb der Produktgruppe der Streu- und Enteisungsmittel durchgeführt, unter Einbeziehung einer orientierenden Ökobilanz.Nach bisherigem Kenntnisstand kann der Einsatz von Formiaten im Winterdienst für Straßen und Wege nicht empfohlen werden. Die sehr geringe aquatische Ökotoxizität ist zwar mit der von Kochsalz und Calcium/Magnesiumchlorid vergleichbar. Untersuchungen zur terrestrischen Ökotoxizität fehlen jedoch. Die Formiate sind zwar selbst bei winterlichen Temperaturen leicht biologisch abbaubar, inwieweit hierdurch jedoch die Ökotoxizität günstig beeinflusst wird, lässt sich nicht abschätzen. Im Vergleich mit Streusalzen oder auch abstumpfenden Streumitteln wird jedoch für die Herstellung von Formiaten wesentlich mehr Primärenergie verbraucht und es ist mit mindestens 10fach höheren Kosten zu rechnen. Demgegenüber ist der Einsatz von Formiaten als Ersatzstoff für Glykole und Harnstoff in der Flugzeug- und Bewegungsflächenenteisung (vgl. RAL-UZ 99) weiterhin zu begrüßen.Im Rahmen der Studie wurden allgemeine Kriterien für Streumittel sowie praktische Empfehlungen für einen ökologischen Winterdienst ausgearbeitet. Zur weiteren Optimierung bestehender Ansätze sollte u.a. die orientierende Ökobilanz durch eine Ökobilanz nach DIN EN ISO 14040 ff unter Einbeziehung einer kritischen Prüfung verifiziert und Datenlücken zur terrestrischen Ökotoxizität von Formiaten geschlossen werden.

Zusammenfassung FKZ 202 95 382-7

Die Jury Umweltzeichen hat 2002 beschlossen, die Vergabegrundlagen für das seit 1981 bestehende RAL-UZ 13 "Salzfreie, abstumpfende Streumittel" weiter zu entwickeln. Die vorliegende Expertise war Grundlage für den Entwurf der überarbeiteten Anforderung für das Gütezeichen, der 21. September 2004 im Rahmen einer Anhörung abgestimmt wurde. Der Geltungsbereich der Vergabegrundlage erstreckt sich weiterhin auf salzfreie, abstumpfende Streumittel auf Gehwege u. ä Bereichen. Die Verwendung abstumpfender Streumittel beim Straßenwinterdienst ist aufgrund der in jüngerer Zeit aufkommenden kritischen Bewertung der Gebrauchstauglichkeit und des ökobilanziellen Aufwandes ausdrücklich ausgeschlossen.Die Überarbeitung berücksichtigt neuere gesetzliche Entwicklungen (u.a. das Bundesbodenschutzgesetz) und technische Richtlinien. So werden die Streumittel künftig an Hand des LAGA-Merkblattes 20 "Anforderung an die stoffliche Verwertung von mineralischen Reststoffen/Abfällen" bewertet. Maßgeblich sind die "Z0"-Kriterien für den uneingeschränkten Einbau in bodennahen Anwendungen. Diese beschränken u.a die Schwermetallgehalte sowohl im Feststoff (nach Königswasseraufschluss) als auch im wässerigen Eluat der Streumittel. Die Anforderungen an die Gebrauchstauglichkeit abstumpfender Streumittel hinsichtlich Korngröße, Kornform Feinstkornanteil, Schlagfestigkeit und Kantigkeit wurden gegenüber der alten Fassung der Vergabegrundlage präzisiert und an die TL-Streu angepasst.Darüber hinaus werden in der Expertise weitere Aspekte aus neueren Forschungsarbeiten beschrieben, so z.B. ökobilanzielle Betrachtungen bei der Herstellung, dem Transport, der Ausbringung und der Einsammlung abstumpfender Streumittel. Zudem wird die Staubbelastung durch abstumpfende Streumittel thematisiert.